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Friday, June 9 • 12:00 - 13:00
Storytelling in Virtual Reality – (Ethische) Herausforderungen an die Recherche

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Mit Virtual Reality besteht die Möglichkeit, journalistische Quellen und Archive anders zugänglich zu machen. Durch das Gefühl vor Ort zu sein, erschließen sich historische Ereignisse subjektiv und unmittelbar. Gleichzeitig erfordert die Einordnung der Quellen eine hohe Informationsdichte, die das immersive Erlebnis stören kann. Zwar schafft VR gegenüber klassischen Vermittlungsformen mehr Empathie und Interpretationsspielraum, die Szenarien für die Rezeption von Originalquellen sind aber sehr unterschiedlich. Auch fehlen ethische Konzepte für den Umgang mit Quellen und Zeitzeugen-Material: Wie kann verhindert werden, dass die Erlebnisse in historischen virtuellen Räumen so angelegt werden, dass der Nutzer manipuliert wird? 

Was darf man zeigen, was geht zu weit? Wie stellt man in einer Szene notwendige Kontextinformationen zur Verfügung? Über welche Anreize steuert man den Nutzer und ermutigt ihn zur Interaktion? Wie bettet man analoge Dokumente und Archiv-Audio (mit geringerer Tonqualität) in den virtuellen Raum ein? Welche Anforderungen werden an die Recherche gestellt?

Umsetzung mit VR-App in Planung

Diese Fragestellungen sollen anhand des aktuellen VR-Projektes „Manipulierte Verhöre” diskutiert werden. Hier wird emotional erfahrbar gemacht, wie in Verhörsituationen Erinnerungen und Einstellungen manipuliert werden können. Das Projekt ist eine Kooperation des Reporterforums, der Robert Bosch Stiftung, Vragments, der Hochschule für Technik und Wirtschaft und Deutschlandradio.  

 

Historischer Teil: Stasiverhöre und “operationelle Psychologie” 

Durch ein VR-Reenactment einer Verhörsituation durch die Staatssicherheit der ehemaligen DDR erschließen sich Methoden und Auswirkungen der so genannten „operationellen Psychologie”. Die VR-Umgebung wurde dem historischen Verhörraum nachempfunden. Die Audios beruhen auf Original-Verhören. Der Nutzer ist als passiver Beisitzer Zeuge des Verhörs und kann Originaldokumente mit Anleitungen zur Gesprächsführung einsehen etc.     

 

Aktueller Teil: „False memories”-Forschung und polizeiliche Vernehmungspsychologie

Im VR-Raum wechselt der Nutzer die Rollen und befindet sich jetzt selbst innerhalb einer Vernehmung. Der Nutzer ist in der Position eines Beschuldigten bzw. Zeugen. Er wird mit verschiedenen Vernehmungstechniken konfrontiert. Durch verschiedene Formen psychologischer Techniken (Druck, Stress, Kooperation, Minimierung etc.) und die direkte Ansprache entsteht eine starke emotionale Situation. Durch ein einfaches Auswahlmenü von Antworten steuert der Nutzer den weiteren Verlauf und erlebt die verschiedenen Stufen und Strategien der Vernehmung. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in den USA, arbeitet die Polizei mit manipulativen Techniken. Auch Polizeistellen in Deutschland adaptierten zeitweise Elemente amerikanischer Vernehmungstechniken, wie z.B. die Reid-Methode. Die Dokumentation von Vernehmungen per Video oder Audio ist in Deutschland kein Standard.

http://blogs.deutschlandradiokultur.de/stasiverhoer/

Teil 1: http://www.deutschlandradiokultur.de/die-verhoertechniken-der-stasi-das-perfide-system-der.976.de.html?dram:article_id=381323

Teil 2: http://www.deutschlandradiokultur.de/false-memory-forschung-zur-herstellung-von.976.de.html?dram:article_id=381437

https://vragments.com/stasi-interrogation-a-vr-experience/


Moderatoren
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Vera Linß

Medienjournalistin, Deutschlandfunk Kultur/ ARD-Hörfunk
Vera Linß, freiberuflich tätig seit 1995. Von 1997 bis 2000 Moderation und Redaktion des Medienmagazins von Radio Kultur SFB/ORB. 2010 bis 2014 Moderation des Online Talks auf DRadio Wissen. Seit 2007 Moderation und Redaktion der Mediensendung „Breitband“ im Deutschlandfunk Kultu... Read More →

Referenten
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Frédéric Dubois

Autor und Produzent, Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft
Frédéric ist Autor und Produzent interaktiver Medien, insbesondere web-basierter Dokumentarfilmen. Sein aktuelles Projekt Field Trip ist ein open source Dokumentarfilm über das Tempelhofer Feld, Berlin (fieldtrip.berlin). | | | Er arbeitet als leitender Redakteur des e-Journals Internet Policy Review, herausgegeben von dem Humboldt Institut... Read More →
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Martin Hartwig

Redakteur/Autor, Deutschlandfunk Kultur
Martin Hartwig ist Redakteur und Autor beim Deutschlandfunk Kultur in Berlin. Seine Schwerpunkte sind Feature zu historischen Themen und Politik. Er arbeitete für RBB, HR und NDR.   
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Linda Rath-Wiggins

Co-founder/CEO, VRagments
Dr. des. Linda Rath-Wiggins is the Co-Founder and CEO of Berlin based virtual reality startup VRagments. The startup is building a tool for journalists to help create VR experiences in an easy and fast way and is currently working on multiple VR journalism projects.
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Jana Wuttke

Wissenschaftsredakteurin, Deutschlandfunk Kultur
Jana Wuttke, geboren 1976,  Wissenschaftsredakteurin bei Deutschlandfunk Kultur u.a. für die Sendereihe „Zeitfragen“ und „Breitband“. 


Friday June 9, 2017 12:00 - 13:00
K6

Attendees (33)