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Friday, June 9 • 15:15 - 16:15
Mit Stipendium zur Geschichte — nr-Stipendiaten erzählen über ihre Projekte

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Eelegal Trade (Marcus Pfeil)
Projektbeschreibung Eelegal Trade Opa liebte Aal noch in Aspik, die Japaner schwören schon zum Frühstück auf ihren Unagi, Kabajaki, gegrilltes Aalfilet in Sojasoße. Hilft schließlich gegen Blutarmut und Erschöpfung. Und in Neuseeland reinigen Riesenaale das Wasser. Sie können über feuchte Wiesen wandern und ihr Blut kann zu Lähmungen führen.  Ok, seit Günter Grass´ Blechtrommel, in dem sich Aale an Pferdeköpfen laben, ist sein Image zumindest in Deutschland nicht das beste, aber hey, der Aal ist immer noch einer der wichtigsten Speisefische, in Frankreich ein Politikum und in Asien sind die wild gefangenen Babyaale fast so lukrativ wie Kokain. Aale leben seit über 45 Millionen Jahren auf der Erde, der wahrscheinlich älteste von ihnen lebte über 80 Jahre in einem Brunnen halb so lange wie lonesome George, die berühmte Riesenschildkröte auf den Galapagos-Inseln. 
Und der Aal ist inzwischen fast genauso bedroht. Seit 1980 hat sich die Population um 95 % verringert. Da sich Aale aufgrund ihres außergewöhnlichen Lebenskreislaufes nicht züchten lassen, sind Aquakulturen von wild gefangenen Baby-Aalen abhängig. Aufgrund von Überfischung in Asien konzentrierte sich die Aalindustrie bis 2010 zunehmend auf den damals noch legalen Import europäischer Glasaale. Die Folge: Auch die europäischen Aalpopulationen begannen dramatisch zu sinken. Seit 2010 gilt deshalb ein EU-weites Exportverbot, aber das Verschwinden der Aale hört nicht auf. Denn durch das Verbot ist ein höchst lukrativer illegaler Handel entstanden, mit extrem hohen Gewinnmargen und den Strukturen multinationaler organisierter Kriminalität. 
Aus der Recherche hat Chapter One eine 30-minütige ZDF-Reportage (4.6.), eine fünfteilige Webserie für Arte Future und eine Printreportage für das Greenpeace-Magazin produziert. 

Sexuelle Gewalt in Flüchtlingsunterkünften (Yasmin Polat, Pascale Müller, Daria Sukharchuk)

Von September 2016 bis März 2017 haben Pascale Müller, Yasmin Polat und Daria Sukharchuck Fälle sexualisierter Gewalt gegen geflüchtete Frauen in Berliner Flüchtlingsunterkünften recherchiert.

Durch eine Umfrage, sowie dutzende Interviews mit Betroffenen, ehrenamtlichen Helfern, Mitarbeitern dieser Unterkünfte und Frauenorganisationen wurde klar, dass die Lebensumstände in den Heimen sexualisierte und auch häusliche Gewalt begünstigen. Das zuständige Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten reagierte nicht immer rechtzeitig und angemessen, wenn Fälle problematischer Heimleiter oder Security-Kräfte auftauchten. Der Mangel an Privatsphäre und die immer wiederkehrenden Belästigungen durch männliche Machtpersonen (Heimpersonal, Security) und Bewohner haben bei den Frauen teils schwere Traumata und Depressionen hervorgerufen, die nicht ausreichend behandelt werden.

Polat, Müller und Suckharchuck haben herausgefunden, dass Mindeststandards und Gewaltschutzkonzepte zwar existieren, aber unzureichend durch das LAF kontrolliert werden. Durch fehlende Vertrauenspersonen und Sprachbarrieren, melden betroffene Frauen Übergriffe so gut wie nie. Die Ergebnisse der Recherche wurden im Tagesspiegel “Mehr Berlin” veröffentlicht.

 

Schutzlos im Gefängnis (Julian Busch, Paul Jovis Wagner)
Projektbeschreibung Schutzlos im Gefängnis

Ende Juli 2016 wurden nach Angaben der griechischen Regierung mindestens 346 als unbegleitet und minderjährig registrierte Geflüchtete in „geschlossenen Einrichtungen festgehalten. Die Gesetze schreiben vor, dass Kinder nicht mehr als 25 Tage inhaftiert werden dürfen. Die Praxis ist eine andere: Die Inhaftierungszeit variiert von wenigen Tagen bis zu einem Jahr und wird ohne richterlichen Beschluss vollzogen. Die Minderjährigen müssten geschützt werden, argumentieren die griechischen Behörden. Menschenhandel und Ausbeutung erwarten sie auf der Straße.

Die Haftanstalten verteilen sich über ganz Griechenland. Hinzu kommen zahlreiche kleine Zellen in Polizeistationen. Dort gibt es oft keinerlei Freigang und auf 10qm müssen im schlimmsten Fall bis zu zehn Minderjährige unterkommen. Die Hoffnung, früher freigelassen zu werden, lässt einige Kinder sich selbst verletzten. Die Kinder sind oft der Willkür von lokalen Polizeistrukturen ausgeliefert. Die Angst vor Inhaftierung führt dazu, dass viele unbegleitete Minderjährige sich als Erwachsene ausgeben, so auch unser Protagonist Malik Fajr (Name geändert). Dadurch werden sie nicht direkt inhaftiert, verlieren aber viele Rechte und können nach Ablauf ihrer Aufenthaltsgenehmigung bis zu 18 Monate inhaftiert werden.

Wir begleiteten im August 2016 mehrere ehemals inhaftierte Jugendliche und eine Sozialarbeiterin, die sie während ihrer Zeit im Gefängnis unterstützte. Außerdem führten wir zahlreiche Interviews mit lokalen und internationalen NGOs und kontaktierten Regierungsvertreter. Malik steht als Protagonist im Zentrum der Geschichte. (Veröffentlicht in profil (AT), WOZ (CH) und taz)


 

Moderatoren
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Egmont Koch

freier Autor, Filmemacher und Buchautor
Egmont R. Koch, geboren 1950 in Bremen, studierte Biochemie an der Medizinischen Hochschule in Hannover ehe er zum Journalismus kam. Bekannt wurde Koch 1978 durch den Bestseller Seveso ist überall (zusammen mit Fritz Vahrenholt), zu dem auch ein Film entstand. Seit dieser Zeit produzierte er Fernsehdokumentationen... Read More →

Referenten
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Julian Busch

Fotojournalist
Julian Busch wurde 1992 bei Bremen geboren. Er studierte in Hamburg Geschichts- und Islamwissenschaften. Seitdem ist er immer wieder zu Fuß und per Anhalter im Nahen und Mittleren Osten unterwegs gewesen, zuletzt im Nord-Irak und Pakistan. 2015 begann er Fotojournalismus an der FH Hannover zu studieren. Neben dem Studium arbeitet er u.a. für... Read More →
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Pascale Müller

Freie Multimedia-Reporterin
Pascale Müller ist freie Multimedia-Reporterin mit den Schwerpunkten Migration, Frauenrechte, dem Nahen Osten und Nordafrika. Ausgewählte Arbeitgeber: Der Spiegel, Tagesspiegel, Middle East Eye und Syria Deeply. Pascale hat bereits aus der... Read More →
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Marcus Pfeil

Journalist, Chapter One
Marcus Pfeil hat gleich zwei Mal seinen Beamtenjob gekündigt, obwohl er es bei der Bundesbank bis zum “Leitenden Beamten Vollautomat” gebracht hatte und für die Bafin auf die Deutsche Bank aufpassen durfte. Später, als Sportchef des Handelsblatt, berichtete er live von der Unterwasser-Rugby-WM, obwohl er nur mit... Read More →
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Yasmin Polat

freie Journalistin
Yasmin Polat, 1989 in Berlin geboren, hat Islamwissenschaft studiert und arbeitet als freie Autorin und Journalistin für verschiedene Medien, zur Zeit vor allem für den Tagesspiegel.
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Daria Sukharchuk

Freie Journalistin
Daria Sukharchuk ist freie Journalistin und lebt in Berlin. Sie schreibt für russisch- und englischsprachige Medien über Migration und Menschenrechte. Daria hat eine sechsmonatige Ausbildung in Datenjournalismus bei der Agentur "Journalism ++" absolviert und war dort vor allem den The Migrant Files betraut... Read More →
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Paul Lovis Wagner

Fotojournalist
Paul Wagner, geboren 1992 in Berlin, studierte Politikwissenschaften, Journalismus und Fotografie in Berlin, Hannover, Paris und Rabat. Seine Arbeit ist angetrieben von Neugierde und dem naiven Willen, etwas zu verändern. Als Teil des jib-collectives berichtet er über Migration, Ü... Read More →


Friday June 9, 2017 15:15 - 16:15
R1

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